s l o w : Langsamkeit als Motto
Als Museumsbesucherinnen und -besucher betrachten wir ein Kunstwerk durchschnittlich während drei Sekunden. Unsere Telefone hingegen beanspruchen unsere Aufmerksamkeit mehrere Stunden täglich, und wir werden von Werbebildern überflutet. Da ist es wichtig, dass wir zu einem natürlichen Rhythmus zurückfinden. Chi va piano va sano e va lontano (wer langsam geht, geht gesund und kommt weit), daran erinnert uns ein italienisches Sprichwort.
Der Raum des Kunstmuseums Wallis namens «Au Quatrième» präsentiert während sechs Monaten ein Dutzend verschiedene Werke, für die man sich Zeit nehmen und Zeit lassen soll, um genauer hinzusehen und zu verweilen. Wir sind eingeladen, bequem auf einem der Stühle sitzend, in diesen Raum einzutauchen, um die Auswirkungen der Zeit auf das Beobachten zu ermessen. Über das Betrachten hinaus achten wir mit unserem ganzen Wesen auf den Komfort des Sitzes, den Klang des Ortes und auf unsere eigene Atmung. Die Ausstellung erstreckt sich bis auf die Aussenterrassen des Kunstmuseums, die sich für andere langsame Praktiken wie Lesen, Zeichnen, Faulenzen oder sogar ein Nickerchen eignen.
Die Sammlung im Rhythmus des Mondkalenders mit der Künstlerin Marie Velardi
Die Auswechslung der Werke erfolgt nach dem Rhythmus des Mondkalenders, d. h. alle 29,5 Tage während des Vollmonds. Im Ausstellungsraum gibt das eigens für diesen Anlass geschaffene Werk Luna der Schweizer Künstlerin Marie Velardi (*1977) mittels einer Monduhr den Takt an. Der Uhrzeiger umkreist das Zifferblatt nach dem Mondzyklus.
Ausgestellte Werke
Die Auswahl der ausgestellten Werke erfolgte aufgrund ihres Formats, ihrer Intensität, Qualität und ihres Entwicklungspotenzials, wenn man sie lange Zeit betrachtet. Die in unterschiedlichen Techniken wie Fotografie, Malerei, Tapisserie oder Installation ausgeführten Werke werden für die Ausstellung aus dem Museumsdepot geholt, wo sie sonst verwahrt werden.
Die Werke stammen von renommierten Künstlern verschiedener Epochen:
18.05 – 16.06: Nicolas Faure (*1949)
18.06 – 14.07: François Boson (*1949)
17.07 – 13.08: Sophie Calle (*1953)
15.08 – 12.09: Miquel Barceló (*1957)
14.09 – 13.10: Alexandre Calame (1810-1864)
15.10 – 10.11: Magdalena Abakanowicz (1930-2017)
Eine Resonanz auf den Salon Suisse an der Biennale Arte Venezia 2019
Der Salon Suisse an der Biennale Arte Venezia 2019 erteilte Céline Eidenbenz, Direktorin des Kunstmuseums Wallis, eine Carte Blanche. Die diesjährige Ausgabe ist unter dem Titel s l o w . dem Thema Langsamkeit gewidmet. Chi va piano nimmt diese italienische Programmgestaltung auf.

