Mit dieser Ausstellung bietet die Sittener Künstlerin eine Reise ins Innere des Körpers und der Erde. Die Nähe zwischen diesen beiden ebenso vertrauten wie geheimnisvollen Gebieten ist aufgrund einer persönlichen Reflexion der Künstlerin über Mutterschaft und Krankheit entstanden, die sie ab 2020 dazu geführt hat, ihr Forschungsgebiet zu erweitern. Sie fordert das Publikum auf, sich unter die Oberfläche der Erde wie unter die Haut zu begeben und befasst sich mit Themen der gesamten Spannweite von der Anfälligkeit des Körpers gegenüber Konfrontationen, aus der Sicht der Patientin, bis zum Spitalwesen als Bereich, in dem mehrheitlich männliche Personen tätig sind. Sie stellt die Aneignung der Erde durch den Menschen jener des menschlichen Körpers durch das medizinische Personal gegenüber und stellt dabei fest, dass beide zuweilen bloss Orte zu sein scheinen, die es zu erobern gilt. Der Gender-Blickwinkel ist im Vorgehen von Aurélie Strumans vorherrschend, die damit ihre Beziehung zur Gesellschaft in einer politischen Perspektive neu interpretiert.
Die persönliche Erfahrung als Inspirationsquelle
Eine erste Intervention auf dem Place de la Majorie, vor dem Kunstmuseum Wallis, ziert den Hügel, der einst ein Militärspital beherbergte. Eine Tür und darüber das Leuchtschild «Operation Theater» (Englisch für Operationssaal) erinnern ans Theater sowie an das menschliche Leben als Theatervorstellung. Ein Schauglas fordert uns auf, einen Blick ins Innere zu werfen, aber unsere Neugierde wird gleich gebremst: Ein Bühnenvorhang ist gezogen, die Operation ist bereits im Gange. Mehrere Werke, die sich auf die Welt des Spitals beziehen – direkt von den persönlichen Erfahrungen der Künstlerin beeinflusst – sind im vierten Stock des Viztumsschlosses ausgestellt. Eine Reihe von Spitalhemden, fleischfarben, hinten offen, sind Ausdruck der Anfälligkeit des Körpers, dessen man enteignet wird, sobald man zum Patienten wird. Texte der Künstlerin drücken aus, wie schwierig es ist, sich den Ärzten auszuliefern, die unseren Körper monopolisieren, um ihn zu heilen. Auf einem grossen Operationstisch läuft das Video Rencontre avec l’obscurité (2022): eine Drohne filmt die Landschaft mitsamt Höhlen, Tunnels und geheimen Räumen. Schliesslich scheint ein Tiefkühler, der mehrere Glasfläschchen mit Muttermilch enthält, die kostbare Nahrung in Selbstbedienung anzubieten, die Gegenstand politischer, symbolischer, wirtschaftlicher Ambitionen ist und die Frauen und ihren Körper einmal mehr versachlicht.
Durch die Gegenüberstellung des Körpers und der Landschaft teilt Aurélie Strumans mit dem Publikum eine heikle und starke, intime und universelle Fragestellung. Die Ausstellung Aurélie Strumans. Sous la surface ist im Kunstmuseum Wallis von 6. Mai bis 20. August 2023 zu sehen. Begleitend zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog unter der Leitung von Laurence Schmidlin, Direktorin des Kunstmuseums und Kuratorin der Ausstellung, erschienen.
Manor Kunstpreis
Der Manor Kunstpries, der im Jahr 2022 sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat, ist eine der wichtigsten Schweizer Auszeichnungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Der Preis wurde 1982 von den Manor-Warenhäusern ins Leben gerufen zur Förderung von Schweizer Nachwuchstalenten, die beim breiten Publikum noch nicht sehr bekannt sind. Er wird grundsätzlich alle zwei Jahre vergeben, in den zwölf Kantonen, in denen er besteht.
Im Wallis wird der Manor Kunstpreis seit 2007 verliehen, in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Wallis. Die früheren Preisträgerinnen und -träger sind:
- 2007 Martina Gmür
- 2010 Joëlle Allet
- 2013 JocJonJosch
- 2015 Barbezat/Villetard
- 2017 Eric Philippoz
- 2019 Badel/Sarbach
- 2023 Aurélie Strumans
Jury des Manor Kunstpreis 2023 Wallis : Céline Eidenbenz, alt Direktorin des Kunstmuseums Wallis (bis 2021), Präsidentin Pierre-André Maus, Geschäftsführer der Gebrüder Maus AG und Vertreter des Manor Kunstpreises Chantal Prod’Hom, alt Direktorin des mudac (bis 2022), Lausanne Victoria Mühlig, Konservatorin des Kunstmuseums Pully Delphine Reist, Künstlerin, Genf Michael Sutter, Direktor der Kunsthalle Luzern. Der Manor Kunstpreis 2024 Wallis wird im Herbst 2023 vergeben.

